Gefunden, geloggt, vergessen: Ein Geocaching-Tagebuch hilft
Ich gehe gern geocachen. Nicht so oft, wie ich gern würde — es kommt anderes dazwischen, und aus einem „nächstes Wochenende“ werden schnell drei Monate. Genau deshalb zählt bei mir jede Tour. Und genau deshalb ärgert es mich, wenn hinterher nichts davon übrig bleibt außer einem Häkchen in einer Statistik.
Die offizielle App kann, wofür sie gemacht ist
Sie zeigt mir, was in der Nähe liegt, führt mich hin und nimmt mein Log entgegen. Dafür ist sie gut, und ich habe nicht vor, sie zu ersetzen.
Nur: Was ich dort hineinschreibe, ist ein öffentlicher Text für andere. Er steht auf einer fremden Website, der Owner liest mit, andere Cacher lesen mit. „TFTC, schöne Stelle“ — man schreibt, was man in einem Gästebuch schreibt.
Was ich wirklich über einen Cache denke, steht dort nicht. Dass das Versteck albern war. Dass ich zweimal an der falschen Stelle gesucht habe, weil der Hinweis in die Irre führt. Dass ich da mit den Kindern nie wieder hingehe, weil der Weg an einer Straße entlangläuft. Das gehört auch gar nicht in ein öffentliches Log — es gehört mir.
Was die Zahl nicht enthält
Wer länger dabei ist, sammelt eine Zahl. Und die Zahl ist erstaunlich uninteressant.
Was sie nicht enthält: der Abstieg im Nebel, bei dem ich mir nicht sicher war, ob wir den Weg zurück finden. Der Cache, an dem ich dreimal gescheitert bin, bevor ich ihn beim vierten Mal in zehn Sekunden hatte. Das Versteck, das so gut war, dass ich es Jahre später noch erzähle. Wer dabei war. Was wir danach gegessen haben.
Die Fotos von so einem Tag liegen irgendwo in der Mediathek, zwischen dreitausend anderen, sortiert nach Datum und sonst nichts. Die aufgezeichnete Wanderung liegt in der Health-App. Das Log auf geocaching.com. Und was ich von der Sache hielt, weiß nur meine Erinnerung — bis sie es nicht mehr weiß.
Ich habe viele Tagebuch-Apps probiert
Wirklich viele. Und keine hat gepasst, immer aus demselben Grund: Ein Tagebuch kennt keine Caches.
Ein Eintrag ist dort ein Datum und ein Textfeld, vielleicht noch ein Bild. Alles, was darüber hinausgeht — dass ein Eintrag zu einem Ort gehört, dass derselbe Ort in mehreren Einträgen vorkommt, dass es Koordinaten gibt, eine Schwierigkeit, ein Gelände, einen Owner —, muss ich mir selbst als Konvention ausdenken.
Und dann durchhalten. Da kenne ich mich inzwischen gut genug: So etwas halte ich drei Monate durch. Danach steht in der Hälfte der Einträge eine andere Struktur als in der anderen Hälfte, und dann ist die Sammlung nichts mehr wert, weil man nichts mehr darin wiederfindet.
Also habe ich es selbst gebaut
Cache-Diary ist kein Suchgerät. Es ist das Logbuch für danach: Was habe ich wann erlebt, mit wem, und was denke ich über dieses Versteck?
Die eine Entscheidung, aus der alle anderen folgen, ist eine Trennung in zwei Ebenen.
Das eine ist, was ein Cache ist: Name, Typ, Koordinaten, Schwierigkeit, Beschreibung. Das kommt aus dem Import von geocaching.com und ist jederzeit wegwerfbar. Ich kann die ganze Ebene löschen und neu holen, und es geht nichts verloren.
Das andere ist, was ich erlebt habe: die Besuche, die Notizen, die Fotos, meine Bewertung, meine Schlagwörter. Das fasst kein Import an. Auch dann nicht, wenn der Cache archiviert wird, aus der nächsten Pocket Query verschwindet oder der Owner ihn löscht.
Das klingt nach einer technischen Feinheit, ist aber der ganze Punkt. Wenn meine Aufzeichnungen davon abhängen, dass fremde Daten weiter existieren, sind sie nicht meine. Und ein Cache, den es offiziell nicht mehr gibt, ist ja nicht ein Tag, den ich nicht erlebt hätte.
Wie sich ein Tag damit anfühlt
Vorher importiere ich die Caches der Gegend als eine Datei und schreibe zu dem einen, den ich mir vorgenommen habe, eine Notiz: „Nur bei trockenem Wetter, der Hohlweg ist bei Nässe eine Rutschbahn.“
Unterwegs ändert sich für mich nichts. Das iPhone zeichnet die Wanderung als Workout auf, wie immer. Fotos mache ich mit der Kamera, wie immer. Am Cache tippe ich kurz, was war — oder auch gar nichts.
Am Abend, auf dem Sofa, lege ich die Tour an: Titel, Datum, wer dabei war, ein paar Sätze. Die aufgezeichnete Route findet ihre Tour über Datum und Nähe von selbst. Die Fotos des Tages schlägt mir die App aus der Mediathek vor; ich wähle drei aus und schreibe Bildunterschriften dazu. Dem Cache auf dem Berg gebe ich fünf Sterne und das Schlagwort „Aussicht“.
Das dauert fünf Minuten und ist der einzige Teil, den ich mir angewöhnen musste. Es funktioniert, weil ich abends nichts mehr eintippen muss, was das Gerät ohnehin schon weiß.
Jahre später suche ich nach „mit Kindern“ und bekomme zwölf Caches, die sich noch einmal lohnen. Oder ich öffne die Tour vom letzten Herbst und lese, wie es war.
Die Funde von früher
Der Teil, an dem ich am längsten gesessen habe. Ich hatte ja schon Jahre an Funden — die stehen alle auf geocaching.com und lassen sich als Fundhistorie exportieren.
Nur: Danach liegen hunderte Besuche in der App, jeder mit Datum, und keiner gehört zu irgendetwas. Die Erinnerung hängt aber nicht am einzelnen Fund, sondern am Tag.
Also erkennt Cache-Diary, welche Funde am selben Tag passiert sind, und schlägt daraus Touren vor: „7 Funde am 14. September 2021 im Hegau — als Tour anlegen?“
Und hier steht die Regel, die mir am wichtigsten war: Erfunden wird nichts. Die App schlägt vor und fragt; ich sage ja oder nein. Was ich ablehne, kommt nicht wieder. Dasselbe gilt für doppelte Caches und für Fotos vom richtigen Tag — überall, wo die App vermutet, entscheide am Ende ich.
Es wäre einfacher gewesen, die Touren einfach anzulegen. Aber ein Tagebuch, das Einträge erfindet, ist kein Tagebuch mehr.
Karte und Zahlen
Der Rest ist das, was man erwartet, und macht trotzdem viel aus: alle Caches auf einer Karte, die Tour mit ihrer Route und den Besuchen darauf verortet. Und eine Auswertung, die zeigt, wie viele Funde in welchem Jahr, welcher Sorte, welcher Gegend — samt längster Serie und Meilensteinen.
Bei den Zahlen habe ich mich für einen Umweg entschieden: Sie werden beim Anzeigen gerechnet und nie gespeichert. Eine gespeicherte Statistik wäre nach dem nächsten Import falsch — und niemand würde es merken.
Was ich dabei gelernt habe
Die Trennung der beiden Ebenen war die ganze Arbeit. Alles andere — Listen, Filter, Karte, Statistik — ist Oberfläche und in ein paar Tagen gebaut. Die Frage, welche Daten wem gehören und welche ein Import anfassen darf, zieht sich dagegen durch jede einzelne Stelle des Programms. Sie einmal richtig zu beantworten, hat mehr gebracht als jede Funktion.
Eine App für eine Person darf „nein“ sagen. Kein Konto, keine Anmeldung, kein Server, kein Netzwerkzugriff. Ich musste niemanden davon überzeugen, und ich muss nichts betreiben. Was die App nicht überträgt, kann auch niemand mitlesen — das ist keine Datenschutzerklärung, sondern eine Eigenschaft.
Und dass „vorschlagen statt tun“ mehr Arbeit ist, als es aussieht. Jedes Mal, wenn die App etwas vermutet, braucht es eine Ansicht, in der man die Vermutung sieht, prüft und ablehnt — und ein Gedächtnis dafür, was schon abgelehnt wurde. Das ist deutlich aufwendiger, als es einfach zu machen. Es ist trotzdem der einzige Weg, dem eigenen Tagebuch später zu glauben.
Und jetzt?
Ich trage nach. Jahre an Funden, Tour für Tour, immer wenn ein Abend übrig ist. Das ist erstaunlich unterhaltsam — es kommen Sachen hoch, die ich vollständig vergessen hatte.
Und beim nächsten Mal, wenn es endlich wieder raus geht, weiß ich hinterher, wie es war.
Cache-Diary ist eine App für iPhone (iOS 18 oder neuer) und Mac (macOS 15 oder neuer), gebaut mit SwiftUI aus einer Codebasis. Kein Konto, kein Server, kein Netzwerkzugriff. Die Bildschirmfotos zeigen einen erfundenen Bestand — 64 Caches im Hegau und am Bodensee, sechs Touren über mehrere Jahre —, keine echten Cachedaten und keine fremden Logtexte. Was die App im Einzelnen kann, steht auf der Seite zur App.